Das bestätigt uns

Ich war 3 Jahre alt, als ich zur Kinderheimat kam.
An die Zeit zuhause kann ich mich nicht mehr erinnern - und das ist auch gut so. Ich glaube, es war nicht die schönste Zeit meines noch so jungen Lebens.

Ich war verschüchtert und ängstlich, als ich das erste Mal alleine und ohne Mutter war, aber ich wurde sofort von den jeweiligen Betreuern an die Hand genommen und ins Herz geschlossen.
Da mir als Kind nichts anderes übrig blieb, gewöhnte ich mich an das Leben im Kinderheim. Ich wuchs dort ganz normal auf wie jedes andere Kind, das bei seinen Eltern lebt.Kinderzeichnung
Ich ging in den Kindergarten, zur Grundschule und schließlich auf die Hauptschule. Ich erinnere mich gerne an die Zeit zurück, weil ich dort viele Vorzüge hatte, die manch andere Kinder nicht hatten. Schon alleine das Spielen auf einem Riesengelände mit sehr vielen Kindern - und das alles gehörte uns. Wir hatten viel Abwechslung und konnten uns frei entfalten. Es wurde so gut wie nie langweilig. Zudem liegt die Einrichtung schön ruhig und ländlich. Das lud zu schönen Fahrradtouren und langen Spaziergängen durch die Felder ein, was wir gerne taten.
Zu meiner Zeit hatte ich auch das Glück, meinem größten Hobby nach zu gehen - dem Ballett. Tanzen war und ist meine größte Leidenschaft. Und in den Ferien konnte ich an diverse Freizeiten teilnehmen. Wenn nicht, gab es immer noch ein schönes Freizeitprogramm von hauseigenen Erziehern und Pädagogen, die uns die Ferien mit schönen Angeboten und Unternehmungen versüßten!
Das tollste war, dass es uns nichts kostete. Das bezahlte alles die Einrichtung. Manche Eltern können sich das bis heute nicht leisten. Ich hatte da schon ein riesiges Glück. Genau wie mit dem Taschengeld: jeder bekam eine seines Alters entsprechende Summe im Monat. Das war mehr als genug, weil ich nichts davon kaufen musste, sondern nur, was ich kaufen wollte. Manche Kinder müssen davon ja ihre Schulsachen bezahlen oder anderes. Ich musste das nicht, ich bekam alles Notwendige sowieso. Das ermöglichte mir ein bisschen Freiheit. Und ich habe gelernt, mit Geld umzugehen. Das war gut so.
In meinem Leben gab es natürlich auch Momente, wo ich alles gehasst habe und mich ständig gefragt habe: Warum? Warum muss ich hier sein und alle anderen Kinder nicht? Warum kann ich nicht auch so ein schönes Leben haben, in dem meine Eltern und meine Geschwister zusammen sind wie eine ganz normale Familie? Aber mit den Jahren verstand ich immer mehr, warum.

Ich glaube, es war trotz allem die beste Zeit meines Lebens. Ich hatte eine glückliche, zufriedene und behütete Kindheit wie jeder andere, nur etwas anders. Hätte ich nicht das Glück gehabt, in der Kinderheimat aufwachsen zu können, wüsste ich nicht, was aus mir geworden wäre. Heute habe ich eine abgeschlossene Ausbildung, eine eigene Wohnung, gehe meiner Arbeit nach und kann mit Geld umgehen. Ich habe Manieren und weiß, was sich gehört - rundherum ein ganz normales, glückliches und zufriedenes Leben, das ich dank dieser Einrichtung und den Betreuern habe. Und jedes Mal, wenn ich heute zu Besuch in die Kinderheimat komme, ist es, als würde ich nach Hause kommen. Ich bin dort aufgewachsen, es ist mein zu Hause!